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Fahrtrevier

Neben den Investitionskosten und den Lademöglichkeiten ist das Fahrtgebiet das wichtigste Kriterium bei der Fragestellung “Elektroantrieb - ja oder nein”

strömungsarme Binnengewässer

Handelt es sich bei dem Fahrtrevier um einen strömungsarmen Binnensee ist der Elektroantrieb fast immer der ideale Antrieb. Gleiches gilt für Kanalfahrt, beispielsweise auf den französischen Kanälen ohne Berufsschifffahrt.

Die erforderliche Maschinenleistung ist mit 1kW / t für Segelschiffe und 2kW / t für Motorboote vollkommen ausreichend dimensioniert und wird im Normalfall nur sehr selten ausgenutzt werden. Meist reichen 15 ... 20% der Motorleistung 60 ... 70% Rumpfgeschwindigkeit aus. Damit kann die Batteriebank, auch im Hinblick, dass die Entfernungen eher gering sind, relativ klein dimensioniert werden.

Im Ergebnis bedeutet dies, dass der Elektroantrieb auf Binnenseen oder Fließgewässern mit nur sehr geringer Strömung quasi uneingeschränkt empfohlen werden kann.

Flußfahrt, strömungsreiche Binnengewässer

Anders sieht es bei Binnenfahrt auf Flüssen aus. Hier erfordert die Fahrt stromauf die volle Motorleistung und damit eine entsprechend große Batteriebank um sicher zu sein, dass stets die nächst mögliche Ladestation angelaufen werden kann.

In Abhängigkeit von der Dichte der Ladestationen kann dies, z.B. auf dem Rhein, zum Ausschlußkriterium führen.

Ferner muß bei Flußfahrt, insbesondere wenn Berufschifffahrt vorhanden ist, berücksichtigt werden, dass im Normalfall auch bei Segelyachten eine Fahrt unter Segeln nicht oder nur erschwert möglich ist.

Wir empfehlen in diesem Fall einen Elektroantrieb nur dann, wenn entweder ein zusätzlicher Verbrennungsmotor oder wirklich ausreichend Ladeleistung während der Fahrt, Generator oder Photovoltaik, zur Verfügung stehen.

Revierfahrt auf offener See

Bei Fahrt auf offener See ist der erforderliche Leistungsbedarf prinzipiell höher. Man geht hier von 2kW / t bei Segelschiffen und 4kW / t bei Motoryachten als Richtwert aus.

Dies bedeutet, dass die Batteriekapazität ebenfalls entsprechend größer gewählt werden muß.

Aber auch hier kommt es auf die Dichte der Lademöglichkeiten über Landanschluß an. So kann z.B. in Kroatien bei der hohen Marinadichte mit relativ geringer Batteriekapazität von “Steckdose zu Steckdose” gefahren werden. Anders sieht es dagegen z.B. in Griechenland aus, hier sind Häfen mit Landanschluß eher die Ausnahme und damit muß der erforderliche Ladestrom eher direkt an Bord über Photovoltaik oder Generator erzeugt werden.

Da jedoch bei Segelyachten der Hauptantrieb die Segel sind, gibt es nur wenige Ausnahmen, bei denen wir vom Elektroantrieb abraten. Anders sieht es bei Motoryachten, die auf den Elektroantrieb zwingend angewiesen sind, aus. Hier können wir nur dann zu einem Elektroantrieb raten, wenn dieser als Hybridantrieb ausgeführt wird oder aber derart hohe Photovoltaik Ladeleistung vorhanden ist, dass hiermit die Fahrbatterien in sehr kurzer Zeit geladen werden können und damit sicher gestellt ist, dass das Schiff nicht mangels Fahrstrom und leerer Batterien manöverierunfähig wird.

Langfahrt

Eindeutig fällt unserer Meinung nach die Entscheidung zwischen konventionellem Verbrennungsmotor und Elektroantrieb bei Langfahrt zu Gunsten des Elektroantriebs aus.

Einerseits führt bei Langfahrt die Segelroute meist durch Gebiete mit hoher Sonnenscheindauer und günstigem Sonneneinfallswinkel, die damit für Photovoltaik prädestiniert sind. Andererseits kann kaum ein Schiff, wir sprechen hier ausschließlich von Segelyachten, derart viel Diesel bunkern, dass dieser für eine Motorfahrt über den Atlantik oder gar über Pazifik reicht. Dahingegen werden die Fahrbatterien tagsüber mittels Photovoltaik geladen, so dass wesentlich längere Strecken bei Flaute unter Motor zurück gelegt werden könnnen.

Ist die Photovoltaik ausreichend leistungsstark dimensioniert, kann tagsüber sogar ausschließlich mit Strom aus der PV gefahren werden und die Fahrbatterien werden nur bei Dunkelheit benutzt.

Idealerweise ist zusätzlich ein kleiner Generator an Bord installiert, der notfalls die Fahrbatterien nachladen kann.

< c> Bode Industrie und Marineelektronik 2002 ...2026

Redaktionsschluß 15.05.2026